Blog - Aktuelles aus Psychologie und Forschung

26
Feb

Barmer Arzt Report 2018

Rund eine halbe Million Studenten psychisch krank               

Berlin, 22. Februar 2018 – Immer mehr junge Erwachsene leiden unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken. Allein zwischen den Jahren 2005 bis 2016 ist der Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit psychischen Diagnosen um 38 Prozent und darunter bei Depressionen um 76 Prozent gestiegen. Diese Zahlen stammen aus dem BARMER-Arztreport 2018, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Demnach ist selbst bei den Studierenden, die bislang als weitgehend „gesunde“ Gruppe galten, inzwischen mehr als jeder sechste (17 Prozent) von einer psychischen Diagnose betroffen. Das entspricht rund 470.000 Personen. „Vieles spricht dafür, dass es künftig noch deutlich mehr psychisch kranke junge Menschen geben wird. Gerade bei den angehenden Akademikern steigen Zeit- und Leistungsdruck kontinuierlich, hinzu kommen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste. Vor allem mehr niedrigschwellige Angebote können helfen, psychische Erkrankungen von vorn herein zu verhindern“, sagte Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.

 

Ältere Studierende sind besonders gefährdet

Bei Studierenden steige mit zunehmendem Alter das Risiko für eine Depression deutlich. Im 18. Lebensjahr erkrankten 1,4 Prozent der Studierenden erstmals an einer Depression, bei den Nicht-Studierenden seien es 3,2 Prozent. Gut zehn Jahre später liege der Anteil bei den Studierenden bei 3,9 Prozent und bei den Nicht-Studierenden bei 2,7 Prozent. Ältere Studierende seien somit besonders gefährdet. Psychische Erkrankungen könnten zudem bereits in der Jugend einen Einfluss darauf haben, ob später ein Studium aufgenommen wird. „Bei Jugendlichen mit einer psychischen Störung im Alter von 17 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit für eine Studienaufnahme in den Folgejahren um etwa ein Drittel reduziert“, sagte der Autor des Arztreports und Geschäftsführer des aQua-Instituts in Göttingen, Prof. Dr. Joachim Szecsenyi.

 

Mehr niedrigschwellige Hilfsangebote erforderlich 

Aus Sicht der BARMER sind mehr niedrigschwellige Angebote erforderlich, die psychische Erkrankungen vermeiden und junge Erwachsene frühzeitig erreichen, bei denen Depressionen oder Angstzustände bereits ausgebrochen sind. „Häufig meiden Betroffene aus Scham den Gang zum Arzt. Ein großes Potenzial sehen wir daher in Online-Angeboten, vor allem, wenn sie anonym sind und den Nutzungsgewohnheiten der Generation Smartphone entgegenkommen“, so Straub. Die BARMER habe daher das von der WHOunterstützte Projekt StudiCare aufgelegt. Darin würden nicht nur zielgerichtete Maßnahmen für Studierende in Deutschland entwickelt. Es werde auch erforscht, wie man die Betroffenen möglichst frühzeitig erreichen kann. 

 

Nicht bei jeder schlechten Phase ist Psychotherapie erforderlich

Einen Schwerpunkt lege die Krankenkasse auf das Vermeiden von psychischen Erkrankungen. So böte die BARMER als erste Kasse ein Online-Training an, mit dem nachweislich Depressionen erfolgreich verhindert werden können. Damit könne auch die überproportionale Inanspruchnahme begrenzter psychotherapeutischer Plätze bei nur ‚leichten‘ Problemen reduziert werden, um so Platz zu schaffen für Betroffene, die dringender Unterstützung brauchen. „Nicht bei jeder schlechten Phase benötigt man gleich einen Psychotherapeuten“, sagte Straub. Hintergrund ist, dass laut Arztreport 28 Prozent der jungen Erwachsenen bei einer leichten depressiven Episode Psychotherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten in Anspruch nehmen. Bei den schwer depressiv Erkrankten sei die Quote nur geringfügig höher. „Hausärzten kommt eine wichtige Funktion als Lotse zu, da psychisch schwer erkrankte junge Menschen rasch professionelle Hilfe brauchen. Zudem bedarf es einer noch stärkeren Bereitschaft der Psychotherapeuten, sich dieser Patienten anzunehmen“, forderte Studienautor Szecsenyi.

 

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23
Feb

Stress ist möglicherweise ein wichtiger Risikofaktor für Krebs,

Eine Metaanalyse von 16 bisher unveröffentlichten Kohortenstudien aus England und Schottland legt nahe, dass Stress als Risikofaktor für einige Krebserkrankungen gelten könnte. Die Ergebnisse ihrer Analyse haben die Forscher nun im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht.1

Die britische Autorengruppe wertete für ihre Untersuchung bisher unveröffentlichte Gesundheitsdaten von insgesamt 163.363 Menschen im Alter von 16 bis 109 Jahren (im Mittel 46 Jahre) aus. Die Daten stammen aus Health Surveys von England und Schottland, die zwischen 1994 und 2008 aufgelegt wurden. Über die Beobachtungsdauer von im Mittel 9,5 Jahren wurden jährlich nicht nur Rauch-, Alkohol-, Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten abgefragt, sondern mittels 12 Fragen des General Health Questionaire (GHQ12) auch der selbst empfundene psychische Stress.

Im Untersuchungszeitraum kam es in der Kohorte zu 4.353 Todesfällen an Krebserkrankungen. Etwa 7% der Befragten hatten im GHQ12 einen hohen Stresslevel von über 7 von 12 möglichen Einheiten angegeben. Nach statistischen Bereinigungen hatten diese Probanden (im Vergleich zu Probanden mit einem Stresslevel von 0 bis 6) ein um 32% höheres Risiko, an Krebs zu sterben.


Leukämie am ehesten mit Stress assoziiert

 

Bereinigt um den Faktor „Rauchen“ lag das entsprechende Risiko sogar um 45% höher. Am stärksten wirkte sich der hohe Stresslevel auf das Risiko für Leukämien aus (HR 3,86); gefolgt von Pankreaskarzinom (HR 2,76), Ösophaguskarzinom (HR 2,59), Prostatakarzinom (HR 2,42) und Kolonkarzinom (HR 1,84). Für den Tod durch Kolon- und Prostatakrebs ließ sich sogar ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang herstellen: Das Sterberisiko am jeweiligen Karzinom nahm hier mit der empfundenen Stressstärke schrittweise zu.

 

Eindeutige Schlüsse lassen sich aufgrund der hohen Komplexität von Krebserkrankungen auch aus dieser Untersuchung nicht ziehen. Als mögliche Ursachen für den Zusammenhang zwischen Stress und Krebsentstehung diskutieren die Autoren eine stressbedingte Schwächung von Immunfaktoren oder Förderung von inflammatorischen Prozessen. Denkbar wäre aber auch, dass Stress eine eher ungesunde Lebensweise mit erhöhtem Krebsrisiko fördert oder aber ungünstige Lebensgewohnheiten sowohl das Stressniveau als auch die Krebsentstehung fördern. Um die Zusammenhänge genauer zu klären, seien prospektive Studien erforderlich.

 

Quellen des Artikels:

Medscape Deutschland

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14
Dez

Was tun bei Angst vor dem Zahnarztbesuch?

Sehr viele Patienten haben ein diffuses Angstgefühl vor dem Zahnarztbesuch. Meist legt sich dieses Gefühl während der Behandlung. Daran zeigt sich, dass die Angst meist eher auf der Angst vor der Behandlung beruht als durch die Behandlung selbst ausgelöst wird...

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